Haute Route im April 2002 - Zweite Etappe
Argentiere-Hütte nach Bourg St. Pierre
 
Detailkarte (72k) für die erste und einen Teil der zweiten Etappe
Frühmorgens brechen wir zusammen mit vielen anderen Tourengehern von der Hütte auf. Unsere Befürchtungen, dass alle auf der Haute Route unterwegs sind erweisen sich als unbegründet. Die umliegenden Nordwände ziehen ebenfalls Alpinisten an. So erkennen wir zwei Lichtpunkte in der Triolet Nordwand und weitere im hinteren Teil des Kessels.
Eine kurze Abfahrt am Rande des Argentiere Gletschers und dann beginnt der 600m Aufstieg zum Col du Chardonnet. Immer wieder bleibe ich stehen und bewundere die gegenüberliegenden Wände der Droites, Courtes und Aiguille Verte.

Am Col du Chardonnet (3660m) bietet sich uns dann ein spektakulärer Anblick mit einer sehr steilen Rinne hinunter zum Glacier du Saleina. Die Nordwand der Aiguille d' Argentiere ist direkt zur Rechten. Manche seilen über diese Stelle ab oder klettern ab. Wir fahren ab. Steil ist es wirklich. Eben eine dieser Adrenalin-Stellen, die so eine Tour auch ausmachen. Ich habe das Gefühl, als ob Speck und Landjäger in meinem Rucksack mich die Rinne hinabbeschleunigen wollen.

Am Glacier de Saleina queren wir direkt unter den Felsen in Richtung Fenetre de Saleina, dem zweiten Übergang des Tages. Der kurze Anstieg ist ebenfalls sehr steil und die Spitzkehren werden manchen mit langen Tourenschie zur Qual. Ich fasse den festen Vorsatz, heute Abend meinen Proviant gewaltig zu reduzieren. Erwin meint, zu einem guten Fläschchen Wein, das er heute in der Ortschaft organisieren will, könnte er sich durchaus ein paar Landjäger vorstellen.
Ein letzter kurzer Aufstieg zum Col des Ecandies. Wir freuen uns auf eine schöne Abfahrt hinunter ins Val d'Arpette, werden aber vom Bruchharsch gleich wieder in die Realität zurückgeholt. Von der völlig ausgestorbenen Ortschaft Champex organisieren wir ein Taxi bis zu unserem Tagesziel Bourg St. Pierre. Erwin hat binnen kürzester Zeit eine sehr gute Flasche Wein am Tisch stehen und endlich kommen auch meine Landjäger zu ihrer Bestimmung.
 
Der dritte Tag auf der Haute Route