Zur Hütte
 
Die topografische Karte (580k)
 
2. Etappe von La Berarde zum Refuge Cezanne : Aufstieg 1600 HM / Abfahrt 1450 HM
 
La Berarde
Die Alefroide im Hintergrund
unter der Barre des Ecrins
La Berarde
In Richtung L'Ailefroide
Oberhalb der Temple de Ecrins Hütte

Kurz nach 6 Uhr beginnt unser Tag. Zuerst tragen wir die Schi ein Stück das Tal hinein, können dann aber vor der Carrelet Hütte bereits auf die Schi wechseln. Der weitere Wegverlauf über einen Baum und Latschen Hang ist vom Sommerweg vorgegeben, der immer wieder unter dem Schnee zum Vorschein kommt. Des öfteren spielen wir Schi-aus/Schi-an bis dann der Latschengürtel hinter uns ist und wir auf die Temple de Ecrins Hütte zusteuern. Steile Hänge und über uns die Barre des Ecrins. Von den südseitig gelegenen Felsen rieseln immer wieder kleine Lawinen herunter und wir halten uns in respektvollem Abstand davon. Irgendwie sind wir an der Hütte vorbei gespurt und sehen davon aber nur einen kleinen Teil des Flachdaches aus dem Schnee herausragen. Die Hütte ist unbewirtschaftet und muss offensichtlich noch ausgeschaufelt werden. Wir queren nach rechts in felsiges Gelände wo wir wissen, dass eine heikle Querung auf uns wartet.

Steilanstieg
der richtige Weg ?
Querung
Kurz vor der Felsbarriere
Querung von Rinne zu Rinne
Rutschen verboten
Zuerst können wir noch mit den Schi aufsteigen, bald wird das Gelände aber zu steil und felsdurchsetzt. Steigeisen und Pickel helfen weiter. Die Querung ist für uns auch deshalb schwieriger, da wir nicht sicher sind, ob wir nicht doch zu hoch angesetzt haben. Es müssen einige Felsvorsprünge überklettert und steile Rinnen begangen werden. Ein Nervenkitzel erst beim letzten Anstieg sehen zu können, ob die Route stimmt und wir den Ausgang zum Glacier de la Temple finden. Als es dann so weit ist, erfolgt eine Mittagspause mit grandiosem Ausblick und den Begleitgeräuschen von Lawinen. Die Kulisse in dieser sehr zerklüfteten Berglandschaft ist dramatisch. Oberhalb drückt die L'Ailefroide mit ihren Hängegletschern auf uns nieder, gegenüber erhebt sich Les Rouies mit 1900 m Höhenunterschied zu La Berarde als Ausnahmeschitour.
Rastplatz mit Sicht
L'Ailefroide
Col de la Temple
Rast nach der Querung
L'Ailefroide
Auf der Suche nach der Abstiegsrinne
Der weitere Aufstieg zum Col (3321 m) ist unproblematisch und erfordert nur eine Aufstiegsspur, die sich von den Lawinenzonen fernhält. Das nervt zwar aber schliesslich sind wir froh am Col zu stehen und für den heutigen Tag nur mehr Abstieg und Abfahrt vor uns zu haben. Laut Auskunft der Bergführer in La Grave ziehen vom vorgelagerten Felssporn mehrere Rinnen hinunter zum Glacier Noir, wobei aber nur die letzte bis ganz hinunter zum Gletscherboden reicht. Die anderen enden mit einem Felsabbruch. Stefan gelangt an eine Rinne die ganz bestimmt die letzte ist, jedoch ohne Möglichkeit vom Felssporn hinein zu kommen. Ein senkrechter Abbruch verhindert den Absteig. Also nehme ich die Vorletzte, die bis auf ein paar vereiste Felssperren gut geht, muss aber im unteren Bereich in die daneben liegende queren. Nach dieser Adrenalinstelle stehen wir dann am Wandfuss und sind froh darüber. Der Druck des Tages ist weg. Was noch bleibt ist die lange Abfahrt über den Glacier Noir zur unbewirtschafteten Cezanne Hütte.
 
Am Col
Abstieg
Glacier Noir
Am Col de la Temple
Rinne vom Col de la Temple
Der Glacier Noir
 
Refuge Cezanne
Warteschlange
Gourmetkueche
Die unbewirtschaftete Cezanne Hütte
Flaschen auf Warteposition
Urgemütlich
 
Der Schnee hinunter zur schön gelegenen Cezanne Hütte hat wieder einmal alles in sich, was das Tourengehen ausmacht: Bruchharsch, Lawinenkegel und windgepresstes Einerlei. Als wir an der unbewirtschafteten Hütte ankommen sind wir jedenfalls ausgelaugt und todmüde. Der Winterraum liegt im tiefen Schnee halb begraben, ist aber glücklicherweise am Eingang frei geschaufelt. Wir verbringen die nächsten beiden Stunden mit Wasserkochen, der Zubereitung von Chili con Carne und frieren. Wir sind beide über die heutige Etappe froh und fanden die Tatsache als erste keine Spur vorzufinden zwar spannend aber gleichzeitig auch stressig. Die Müsliriegel vor dem Einschlafen unter einem Stapel von Decken schmecken dafür noch besser.
 
 
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